Die FDP Fraktion und der Ortsvorstand Bad Nauheim haben sich in ihrer jüngsten gemeinsamen Sitzung ausdrücklich für eine dauerhafte Erhaltung des Eissports ausgesprochen. Die FDP-Fraktion wird daher in der kommenden Stadtverordnetenversammlung den Antrag stellen, das Dach des Eisstadions noch im Sommer 2010 zur Sicherung des laufenden Spielbetriebs zu sanieren.
In diesem Zusammenhang wurde zunächst die lähmende Auseinandersetzung zwischen CDU und UWG kritisiert. Die Unfähigkeit des Bürgermeisters und des ersten Stadtrates in der Frage des Eisstadions vertrauensvoll zusammen zu arbeiten, habe dazu geführt, daß eine produktive Arbeit in den städtischen Gremien unmöglich gemacht wurde. So sei es zum Beispiel nicht hinnehmbar, daß das Gutachten des Planungsbüros Deyle vom 16.12.2009 erst vor 5 Tagen der FDP Fraktion zur Verfügung gestellt wurde.
Die FDP Bad Nauheim hat sich schon immer für den Erhalt des Eissports eingesetzt. Es wird insoweit beispielhaft an den von der FDP initiierten runden Tisch erinnert. Bereits am 9. September hatte der FDP Ortsverband zu einer öffentlichen Sitzung die Herren Andreas Ortwein, Geschäftsführer ECRT Bad Nauheim GmbH, Wolfgang Kurz, Gesellschafter der EC RT Bad Nauheim GmbH und Herrn Bill Lochead, Sportmanager und Investmentberater eingeladen um das Thema Eissport zu besprechen.
Das Eisstadion Bad Nauheim hat für die Bürger Bad Nauheims einen hohen Identifikationswert. Es ist Heimatstädte verschiedener Vereine und allein im Eishockeybereich seien über 300 Kinder im Nachwuchsbereich aktiv. Hinzu käme Eiskunstlauf, Eisstockschießen und im Sommer Inlinehockeynutzung. Auch der jetzt schon stark frequentierte öffentliche Eislauf könne noch forciert werden, um die Einnahmen zu erhöhen.
Für die FDP sei es von besonderer Bedeutung, diesen traditionsreichen Standort zu erhalten und den Eissport in Bad Nauheim dauerhaft zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang sei es für die FDP völlig unverständlich, daß in Teilen der SPD und Grünen Fraktion der Abriß des Eisstadions in Erwägung gezogen wird. Unabhängig von den dabei entstehenden Abrisskosten wären auch die in der Vergangenheit getätigten massiven Investitionen, beispielsweise in die Technik, nutzlos gewesen. Das Eisstadion sei nicht in Gänze marode. Gerade die Eismaschinen seien in einem guten Zustand.
Bei der Sanierung des Eisstadions befürworte die FDP eine langfristige Sanierung gemäß dem Gutachten Planungsbüro Deyle mit gewissen Modifikationen. Dabei möchte die FDP die offene Bauweise des Eisstadions ausdrücklich erhalten. Der FDP-Ortsvorsitzende Pascal Coppieters wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine geschlossene Bauweise im Ergebnis nicht zu einer Energieeinsparung führe. Es sei dann eine permanente Lüftung erforderlich, die wiederum viel Energie verbrauche.
Durch eine vollständige Schließung würden weitere Kosten von in Höhe von ca. € 3,6 Millionen entstehen, die den Sanierungsrahmen sprengen würden.
Nach vorliegendem Gutachten der Fa. Deyle koste eine langfristige Sanierung 1,5 Millionen €. Nach Auffassung der Liberalen sei die von dem Gutachter vorgeschlagene Erweiterung der Beleuchtungsanlage für TV Übertragungen nicht zwingend erforderlich. Hier könnten inklusive der anteiligen pauschalen Baunebenkosten 300.000 € netto eingespart werden. Insgesamt müsste dann also für eine langfristige Sanierung ein Betrag von 1.295.840,00 € netto aufgebracht werden. Eine Streckung der Sanierung über 3 Jahre sei für die Stadt finanzierbar.
In einem ersten Schritt solle unverzüglich das Dach saniert werden und dabei auch gleich eine Verstärkung der Dachkonstruktion mit Einbau einer besonderen Lüftungsanlage bzw. Lüftungsöffnung nach oben eingebaut werden. Diese Arbeiten könnten auch trotz Landesgartenschau ausgeführt werden, da sie im Wesentlichen von der von dem Kurpark abgewandten Seite liegen.
Damit wäre der Spielbetrieb für die nächste Saison sichergestellt.
Nach Abschluß der Landesgartenschau könne dann mit einer weiteren Sanierung insbesondere auch des Verwaltung- und Gastronomie Traktes begonnen worden. Die FDP schlägt deshalb vor, im Haushalt 2010 für die Dachsanierung und notwendige Planung und Nebenkosten 400.000 € einzustellen und weitere 100.000 für die Fortsetzung der Maßnahme mit einem Sperrvermerk zu versehen. In den beiden folgenden Jahren könnten dann mit den gleichen Beträgen die Sanierung insgesamt abgeschlossen werden.
Ein zusätzlicher Vorteil dieser vollständigen Sanierung wäre eine Energieeinsparung von insgesamt 21 %. Das führe auch zu einer dauerhaften Betriebskostensenkung. Gleichzeitig erspare man große CO2 Emissionen und erziele einen ökologischen Gewinn.
Die FDP spricht sich ausdrücklich dafür aus, die Namensrechte des Eisstadions an privatwirtschaftliche Sponsoren gewinnbringend zu veräußern. Das würde den Haushalt weniger belasten.
Im Rahmen ihrer intensiven Erörterung hat sich die FDP auch mit den vielfach geäußerten Neubauplänen auseinandergesetzt. Es ist dabei deutlich geworden, dass die Neubaupläne in der heutigen Zeit für die Stadt Bad Nauheim nicht umzusetzen sind und angesichts der finanziellen Situation ohne private Investoren illusorisch sind. Auch ein Kompensationsgeschäft mit einer anschließenden Wohnbebauung des dann ehemaligen Eisstadiongeländes hält die Bad Nauheimer FDP für problematisch und politisch auch nicht durchsetzbar. Und die vom 3B Vorsitzenden Krämer im September gewünschte „Multifunktionsarena” unter Einbeziehung der Neuausrichtung des Zweckverbands Usa- Wellenbad gehört nach Meinung der FDP auch zu den vorschnell lancierten politischen Wintermärchen, die keinesfalls die harte Realität des Wirtschaftslebens spiegeln.
Eine Absage erteilt die FDP auch den Überlegungen der UWG gemäß dem Scheven-Gutachten mit einem 60.000 € teuren Provisorium den Betrieb des Eisstadions für 1 Jahr zu sichern, ohne eine inhaltliche Entscheidung zu treffen. Die „Scheven-Variante” führe nur zu einer zusätzlichen Ausgabe von 60.000 € ohne in die tatsächliche Sanierung des Eisstadions einzusteigen. Das sei für die FDP eine unnötige Geldausgabe und verzögere nur die dringend erforderliche Entscheidung über die Zukunft des Eisstadions.
Sollte sich wider Erwarten in den nächsten Jahren zum Beispiel ein Großinvestor finden der einen Neubau mit zwei Eisflächen nach modernsten Gesichtspunkten zu guten Konditionen für die Stadt Bad Nauheim finanziert, so sollte man sich auf keinen Fall selbst die Tür verschließen. Mit einer Sicherung des Eissports am bisherigen Standort zu möglichst niedrigen Anfangsinvestitionen verbunden mit einem zumindest theoretischem Offen Bleiben für einen anderen Standort spiegelt das die wirtschaftliche Vernunft wider. Die Entscheidung hierüber sollte aus dem bevorstehenden, emotionsbelasteten Kommunal- und Bürgermeisterwahlkampf heraushalten werden. Mit einem neuen Bürgermeister und neuen Mehrheiten im Stadtparlament müssen auch solche Diskussionen geführt werden können.



